Hospizbote Ausgabe 11

Unsere Inhalte

 

1. Save the Date

2. Bericht zum Welthospiztag 2025

3. Bericht zur Mitgliederversammlung 2025

4. Sterben und Archäologie

5. Gut zu wissen – Sterbefasten

6. Wichtige Info von unserem Kassenwart

Sehr geehrte Mitglieder des Freundeskreises,

liebe Freunde und Förderer der Hospizarbeit,

der Vorstand des Freundeskreises hofft, dass Sie alle gut ins neue Jahr 2026 gestartet sind. Bleiben Sie gesund und zufrieden und erfreuen Sie sich an den kleinen Dingen des Lebens, die so oft im Alltag als normal wahrgenommen werden!

Dem Freundeskreis steht mit dem 30-jährigen Jubiläum ein besonderes Jahr bevor.

Mit 827 Mitgliedern sind wir eine starke Gemeinschaft, die auch in diesem Jahr neue Mitglieder aufnehmen wird. Unser Vereinszweck, der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Hospizarbeit eine bestmögliche finanzielle Unterstützung zu bieten, ist für viele Menschen ein wichtiger Impuls, Teil dieser Gemeinschaft zu werden.

Zum Welthospiztag am 10. Oktober 2026 werden wir ein großes Benefizkonzert zu Gunsten des Freundeskreises im Schleswiger Dom veranstalten. Mit der Union Brass Band, einer Big Band mit 60 Musikern, dem Songwriter Duo Gold&Asche sowie der Sängerin Gesa Thomsen sind erste Zusagen für einen musikalischen Leckerbissen vorhanden. Lassen Sie sich überraschen!

Auch werden wir unsere Sichtbarkeit als relevanter Verein in unserer Region mit einigen Aktionen und Veranstaltungen, zum Beispiel am 15. April 2026, dem Tag der Vereinsregistereintragung vor 30 Jahren, in diesem Jahr weiter stärken.

Wir freuen uns auf dieses Jahr und werden mit großem Engagement für unseren Verein tätig sein! Versprochen!

Im Namen des Vorstands

Enno Körtke
1. Vorsitzender

Save the Date

Benefizkonzert zum 30-jährigen Bestehen des Freundeskreises Hospizdient Schleswig e.V. am 10.10.2026 im Dom zu Schleswig.

Weitere Informationen folgen zeitgerecht.

Bericht zum Welthospiztag 2025

Ein wunderbarer Abend liegt hinter uns...

Am 11.10.2025 war es anlässlich des Welthospiztages wieder soweit:
nach dem Benefizkonzert im Dom in 2024 ging es in diesem Jahr unter dem Motto „Traut euch – für eine sorgende Gemeinschaft“ in einem bunten Format um die Botschaft, dass jeder einzelne mit kleinen Taten
Großes leisten kann – und das nicht nur im direkten Zusammenhang mit der wertvollen Hospizarbeit, sondern auch im alltäglichen Miteinander.

Als um 17.00 Uhr die Türen des Slesvighus öffneten, füllte sich die Location schnell mit den interessierten und gespannten Gästen. Im Mittelpunkt stand eine Lesung des Bestsellerautors Frank Pape, der unter anderem aus seinem Werk „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ (2015 / später verfilmt mit Til Schweiger und Heike Makatsch) über den Schicksalsschlag und die letzten 296 Tagen seiner Tochter Stefanie in Tagebuchform sowie aus einem bisher noch nicht veröffentlichen Werk Aspekte zur Sterbebegleitung las. Auch die Musik zwischen den Lesepassagen unterstrich das Motto zu 100% und wurde von dem Duo Gold&Asche sagenhaft inszeniert: „Keiner von uns“, „Schrei es heraus“, „Jetzt erst recht“ und „Du bist mir wichtig“ passten hervorragend in den Kontext. Abgerundet wurde das großartige Programm durch Interviews/Talkrunden mit und durch Carsten Kock von RSH. Er holte sich Gäste auf die Bühne, die ganz unterschiedlich und sehr beeindruckend aus ihren Tätigkeitsbereichen im Hinblick auf Eigeninitiative und Ehrenamt berichteten und so zog sich immerwährend spürbar die Botschaft nach einem aufmerksamen Blick den Mitmenschen gegenüber wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.

Bettina Schulz (Sterbebegleiterin), Bruni Pöschel (Blindenverein, etc.), Alix Voland (Frauenhaus SL) und Marion Biltz (Mehrgenerationenhaus/Kinderschutzbund) waren tolle Beispiele dafür, wie es funktionieren kann, wenn wir einfach mehr aufeinander achten.
„Seine Mitmenschen bewusster wahrzunehmen und sich gegenseitig zu unterstützen, muss nicht immer im unmittelbaren Zusammenhang mit der Hospizarbeit stehen – auch außerhalb dieser kann jeder einzelne
mit kleinen Gesten und einem offenen Blick für sein Umfeld wertvoll sein und helfen“, so das Orga-Team aus Petri Haus, AHD und Freundeskreis Hospizdienst e.V. abschließend unterstreichend.

Dieser emotionale und rundum schöne Abend wird allen lange in Erinnerung bleiben und hoffentlich in die Gesellschaft ausstrahlen:
„traut euch – für eine sorgende Gemeinschaft!“.

Christina Weinbrandt
2. Vorsitzende

Bericht zur Mitgliederversammlung 2025

Um nicht auch in diesem Jahr wieder von Schneefall überrascht zu werden, hat die Mitgliederversammlung des Freundeskreises Hospizdienst Schleswig e.V. bereits am 16.10.2025 stattgefunden: bei spätherbstlichen Sonnenwetter. Wie auch schon in den vergangenen Jahren durften wir im Bürgersaal des Kreishauses zu Gast sein und wurden dort ausgezeichnet versorgt!
Auf jede Mitgliederversammlung gehört ein Bericht des Vorstands und abschließend dann auch dessen Entlastung – so auch in diesem Jahr. Besonders der Zuwachs um ca. 100 Mitglieder auf gut 800 Personen wurde gelobt.

Piet Lassen, Geschäftsführer der Petri Haus gGmbH, hat sehr anschaulich verdeutlicht, wie notwendig weitere Mittel neben der „Regelfinanzierung“ durch Krankenkassen z.B. sind und wie gut da eine Gemeinschaft von Mitgliedern des Freundeskreises hilft mit ihren Mitgliedsbeiträgen. Aus der Mitte der Mitgliederversammlung kam dann auch die Nachfrage, ob die Beiträge nicht erhöht werden könnten. Wir haben uns zum Abschluss des Abends dazu ein Meinungsbild eingeholt und werden für die Mitgliederversammlung im kommenden Jahr einen Vorschlag unterbreiten.

Unser Kassenwart André Vogt hat die trockenen Zahlen rund um die finanzielle Bilanz anschaulich dargestellt und die Verwendung der Mittel für die Zwecke der Hospizarbeit offengelegt. Sönke Eichner konnte als Kassenprüfer eine korrekte Kassenführung bescheinigen und hat sein Amt an Stefanie Dirks als neue Kassenprüferin weitergegeben. Sie wird mit Angela Meinhardt die Kasse im kommenden Jahr prüfen.

Besonders bewegend aber waren die Berichte aus dem Petri Haus und dem ambulantem Hospizdienst: Mehr als 80 ehrenamtliche Mitarbeitende sind mittlerweile in der Sterbebegleitung ausgebildet und hier in Schleswig und Umgebung unterwegs! Sie begleiten Menschen in ihrer Häuslichkeit – sind mal Schachspielpartner oder lesen ein Buch vor, was unbedingt noch gelesen sein will. Sie kümmern sich um Kinder oder führen auch Gespräche mit Ehepartnern von todkranken Menschen.
Auch aus dem Petri-Haus wurden beglückende Momente berichtet: von der Dame, die so bedauerte, niemals in weiß geheiratet zu haben und sich kurzerhand ein Brautkleid bestellte, in dem sie sich ganz schick fand und das sie dann auch zu ihrer Beerdigung zu tragen wünschte.

Der „Welthospiztag“ mit gut 250 Gästen im Slesvighus, den Lesungen von Frank Pape, der Moderation von Carsten Kock, wunderbarer Musik von Gold & Asche und weiteren beeindruckenden Gästen wurde als ein sehr berührender Abend beschrieben, der vielen nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

Jenny Nehrdich
Beisitzerin

Sterben und Tod aus archäologischer Perspektive

Bestattungsplätze, Gräber, Grabbeigaben und die sterblichen Überreste von Menschen gehören zu den wichtigsten Quellen der Archäologie. Sie erlauben uns Einblicke in Jenseitsvorstellungen, soziale Hierarchien, Glaubens- oder Gruppenzugehörigkeiten, Krankheiten, Verletzungen aus Unfällen oder Konflikten und manchmal sogar die Ernährungsweise vergangener Kulturen. Fast kann man sagen, dass diese archäologischen Befunde und Funde wie ein Langzeitgedächtnis ein ganzes Leben oder die religiösen Vorstellungen einer Zivilisation aufleuchten lassen können. Doch das Kurzzeitgedächtnis an die letzten Wochen, Tage und Stunden eines Menschen sehen wir zumeist nicht. Folglich müssen wir erkennen: Die Archäologie kennt zwar den Tod aber kaum das Sterben.

Es gibt nur wenige Ausnahmen, wenn beispielsweise Verletzungen oder Erkrankungen, die wir am Skelett nachweisen können, zum Tod geführt haben müssen, oder wenn wir Schlachtfelder entdecken, auf denen die sterblichen Überreste in seltenen Fällen seit Jahrtausenden liegen. Das Sterben im Alter oder im Prozess einer schweren Krankheit bleibt uns jedoch verborgen, denn die archäologischen Quellen schweigen, wenn es um Pflege und Sterbebegleitung in prähistorischen Zeiten geht. Allein aus der Grablege Verstorbener erkennen wir aber die Wertschätzung einer Person. Wie schwierig die Interpretation einer Bestattung dabei sein kann und wie sehr unsere heutige Perspektive auf historische Kulturen davon abhängt, verdeutlicht der außergewöhnliche Fall unserer Moorleichen von Windeby. 

Im Mai 1952 waren Torfstecher im Domslandmoor in der Nähe von Eckernförde auf die Überreste eines Menschen gestoßen. Nicht nur die Knochen, sondern auch Haut und Haare waren erhalten geblieben. Weil die Entdecker die Freilegung der Überreste stoppten und das Archäologische Landesmuseum benachrichtigten, war eine fachgerechte Bergung und Untersuchung des unmittelbaren Umfeldes durch die herbeigerufenen Archäologen möglich, ein Umstand, der sich bei der späteren Analyse als sehr wichtig herausstellte. Der am Skelett erkennbare grazile Körperbau führte schnell zu der These, bei dieser Moorleiche handele es sich um ein Mädchen oder eine Frau. Nur wenige Wochen später kam fünf Meter neben dieser Fundstelle eine weitere Moorleiche zum Vorschein. Sie war deutlich schlechter erhalten, aber aufgrund der Knochen sehr schnell als älterer Mann bestimmbar. Eine Schlinge um seinen Hals bezeugt, dass er erdrosselt worden war.

Aus der „Germania“ des römischen Geschichtsschreibers Tacitus, in der er die germanischen Gesellschaften östlich des römischen Limes am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus beschreibt, wissen wir davon, dass Ehebrecherinnen nackt durchs Dorf getrieben worden seien und man Kriegsdienstverweigerer im Moor versenkte. Diese wenigen Aussagen führten dazu, die beiden Moorleichen miteinander in Beziehung zu setzen und in dem „Mädchen“ eine bestrafte Ehebrecherin zu sehen, die man ermordet und im Moor versenkt hatte, und zwar neben dem ebenfalls ermordeten betrügerischen Ehemann. Ihr Sterben scheint folglich im Umstand grausamer Hinrichtungspraktiken erfolgt zu ein.

Doch die Forschung ging weiter und heute wissen wir, dass die beiden Moorleichen nichts miteinander zu tun hatten, denn über die Radiokarbonmethode konnte ermittelt werden, dass der ältere Mann im 3. Jahrhundert vor Christus, das „Mädchen“ dagegen im 1. Jahrhundert nach Christus lebten. Beide waren sich also nie begegnet.

Zudem ist das Geschlecht der zuerst gefunden Moorleiche bis heute trotz Analysen der erhalten DNA nicht zu bestimmen. Vielmehr wissen wir, dass es eine jugendliche Person war, die im Verlaufe ihrer Kindheit unter Mangelernährung litt. Auch konnten keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod festgestellt werden, jedoch eine fortgeschrittene Kieferentzündung, die durchaus zum Tod geführt haben könnte. Eine genaue Betrachtung der Niederlegungsumstände verdeutlicht, dass dieser junge Mensch sehr sorgsam bestattet worden war. Die Grabgrube war mit Heidekraut ausgekleidet worden und vier Keramikgefäße gehörte zu den Beigaben. Zudem war die Leiche mit Wollgras bedeckt.

Bedenkt man die schwere Erkrankung, die mit starken Schmerzen verbunden gewesen sein muss, sowie den Umstand der sorgsamen Bestattung, dann erscheinen die letzten Tage im Leben dieses Menschen in einem ganz anderen Licht. Wie der Sterbeprozess aussah und ob eine Pflege oder Begleitung in den letzten Tagen gegeben war, dazu schweigen allerdings auch hier die Quellen.

Dr. Ralf Bleile 
Direktor des Museums für Archäologie Schloss Gottorf

 

 

© Museum für Archäologie Schloss Gottorf

Gut zu wissen –  Sterbefasten

Essen und Trinken sind notwendige Grundlagen des Lebens und nicht selten Ausdruck unserer Lebenslust und Lebensfreude. Sterbefasten dagegen bezeichnet den „freiwilligen und bewussten Verzicht eines schwerkranken Menschen auf Essen und Trinken, um das eigene Leben selbstbestimmt zu verkürzen“.

Diese fast juristisch anmutende Definition trifft die Wirklichkeit am Lebensende aber nicht richtig: Sterbende Menschen haben natürlicherweise keinen Appetit mehr und empfinden kaum Durstgefühl – die Lebenslust schwindet, die Bedürfnisse und Prioritäten verschieben sich. Diese Form des Sterbens ist seit Jahrhunderten belegt und wird in Deutschland als Form des natürlichen Todes akzeptiert. Dem erkrankten Menschen wird wiederholt Trinken und Essen angeboten, aber in keinem Fall aufgezwängt, und jede Form der künstlichen Ernährung verbietet sich.

Damit sind mögliche Vorstellungen von „Verhungern“ oder „Verdursten“ hinfällig – der Erkrankte entscheidet frei und selbstständig. Pflegerische Maßnahmen wie Anfeuchten von Lippen und Mund erfolgen selbstredend weiter. Auf medizinische Maßnahmen kann verzichtet werden, diese erfolgen nur bei aktiver Zustimmung eines Patienten. Aber wie bei jedem Sterbeprozess sind menschliche Nähe und Begleitung von höchster Bedeutung! Da der Stoffwechsel im Alter und bei schwerer Erkrankung stark reduziert ist, kann sich der Sterbevorgang über Tage bis Wochen erstrecken.

Dies fordert die Angehörigen und Zugehörigen manchmal sehr und die Hospizarbeit ist hier wesentliche Unterstützung und Entlastung für alle Beteiligten.

Dr. med. Andreas Gremmelt
Beisitzer